16.10.2021

World Food Day,

Welthungertag, Welttag des Brotes,

Boss Day, Sankt-Gallen-Tag,

Süßester Tag

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Die Arbeiten der Künstlerinnen Anneke Kleimann und Evelyn Möcking ent- und bestehen aus Nahrungsmitteln. Beide verwenden Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Zucker und Gelatine als Materialien für ihre künstlerische Produktion. Damit stehen die Arbeiten im direkten Bezug zu den Aktionstagen vom 16.10.2021, dem World Food Day, Welthungertag, Boss Day, Welttag des Brotes, Sankt-Gallen-Tag und Süßestem Tag, dem Eröffnungstag der Ausstellung „Chemical Memories“ im Rahmen von PALACE Projekte. Gleichzeitig erweitern die Arbeiten die Aktionstage um ihre spezifische künstlerische Perspektive, betonen den Überfluss an Lebensmitteln, die künstliche Herstellung dieser in der westlichen Gesellschaft, aber auch deren ästhetische Qualität.

 „Chemical Memories“ spricht die Sinne an, weckt Erinnerungen und betont die Ästhetik der Materialien und deren skulpturalen Wert: Kleimanns pastellfarbene Skulpturen aus selbst hergestelltem Schaumzucker stehen Möckings Glasobjekten gegenüber, die mit extrahierten Frucht- und Gemüsesubstraten sowie Lebensmittelfarben und Slush-Sirup gefüllt sind.

Evelyn Möcking gewinnt die Farben dieser Flüssigkeiten durch das Einlegen pflanzlicher Produkte wie Algen, Stachelbeeren, Holunderbeeren und Kirschen in Ethanol. Seit über 3 Jahren legt Möcking jenes Farbarchiv an, das sich seitdem in einem stetigen Prozess befindet: Die biologischen Farben verändern sich je nach Eigenschaft und Lichtintensität. Das Spiel mit der Biofarbwelt ist experimentierfreudig, aber auch frustrierend: Mal ergeben sich Verläufe, bilden sich Kontraste, trifft Farbe auf Farbe und beide bleiben, wie sie sind. Dann ist das Experiment gelungen. Mal mischen sich die Farben, dann muss von Neuem begonnen werden. Die Künstlichen widersetzen sich diesem Spiel und können als Sirup nur als Basis oder als oberste Flüssigkeit dienen: Sie sind damit erste und letzte Instanz. Hinter Glas zeigt sich dann: Die Natürlichen verändern sich, je nach Zeit und Lichtintensität, die Künstlichen bleiben, wie sie sind: Prozess und Verfall – dem Leben so nah – gegen Konstanz und Haltbarkeit. Die Farben präsentiert Möcking in modifizierten Laborgläsern und betont damit die Nähe zwischen Kunst und Wissenschaft. Ein Kaleidoskop eingefasst in einem ästhetischen Versuchsaufbau.

Während Möcking mit Hilfe von Präparationsmethoden und Experimenten Werke schafft, die sich in ihrer äußeren Erscheinung vom eigentlichen Material entfernen, lotet Kleimann die skulpturalen Potenziale von Schaumzucker aus: Sie gießt den selbst zubereiteten, essbaren und flüssigen Marshmallow in große Negativformen und bildet typische Formen nach, wie das gedrehte Marshmallow-Seil oder die Zuckerkette.


In langen Trocknungsphasen härten die Zuckermassen aus und konservieren sich aufgrund des hohen Zuckergehaltes. Der Ursprung des Marshmallows liegt im Europa des 11. Jahrhunderts. Damals entstand die Süßigkeit mitunter aus einem Malvengewächs, das als Heilpflanze diente.

Heutzutage ist uns die Süßigkeit vor allem durch ihre besondere Beliebtheit in den USA bekannt. Dort werden die süßen Batzen über dem Feuer gegrillt, in Kakao getaucht oder Aufstriche kreiert. Fluffy, rosa und leicht verdaulich wirken sie auch wie Symbole für den amerikanischen

Supersize-Wahn und Konsum-Fetisch.

Die Skulpturen von Kleimann und Möcking verführen mit fleischiger Farbenpracht und supersüßer Masse, betonen Sinnlichkeit und Genuss und lassen unübersehbar die Sünde neben die Wissenschaft treten.

 

Die Arbeiten von Evelyn Möcking wurden in Zusammenarbeit mit der reSchmiede Düsseldorf realisiert. Ein herzliches Dank dafür!

Text: Christina Möcking

Plakat: Max Kostopoulos

3D-Renderings: Daniel Nehring

Trailer: Evelyn Möcking

PALACE Projekte werden gefördert vom Kulturamt Düsseldorf und

Stiftung Kunstfonds/Neustart Kultur.