"Crossroads" 01/22

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"Crossroads" von Stella Jermann und Jan Hunkemöller

An Kreuzungen ist man gezwungen sich zu entscheiden entweder geradeaus weiterzugehen, oder auf neue Wege abzubiegen, die vom Vorigen wegführen. Auch bieten sie die Möglichkeit eines Aufeinandertreffens mit dem, was aus anderen, unbekannten Richtungen kommt und damit Begegnungen mit der Fremde. Nach diesen Eigenschaften befinden sich Kreuzungen in einem Zwischenzustand — einem Weder-hier-noch-dort — sind ambivalente Liminalsphären, in denen verschiedene Paradigmen und gegensätzliche Ideale entweder aufeinanderprallen oder verschmelzen. Gleichzeitig sind sie potentielle Orte der Krise, die zur Entscheidung für entweder den einen oder anderen Weg führen. Dabei sind sie jedoch nicht bloß die Summe des einen plus der anderen Wege. Am Kreuzpunkt der Wege verlieren diese ihren Richtungscharakter und werden zum Platz, beziehungsweise Ort oder Stelle. Dort befindet man sich weder auf dem einen, noch dem anderen Weg, sowohl auf keinem von ihnen als auch beiden zusammen. In dieser Betrachtung der Kreuzung als liminaler Sphäre, werden sie zu Punkten der Verwobenheit. Nach altem Volksglauben ist die Membran, die unsere Alltagswelt von anderen Dimensionen trennt, an Orten wie Wegkreuzungen besonders dünn. Die Möglichkeit mit dem, was hinter den Grenzen unserer Wirklichkeit liegt, zu kommunizieren oder Kontakt aufzunehmen ist demnach an diesen Orten am ehesten gegeben. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass spontan unerklärliche Phänomene auftreten, scheint dort wesentlich höher.

Unter Verwendung von photogrammetrisch erfassten Objekten des Worringer Platzes, als Basis für 3D-animierte Landschaften und Prozesse, dehnt die dreiteilige Arbeit Crossroads den realen in den imaginären, den physischen in den virtuellen Raum und erforscht dabei die Materialität digitaler Objekte und ihre Beziehungen zu ihren Gegenstücken in der manifesten Realität. Das erste Kapitel der Arbeit ist an die Auftaktveranstaltung von PALACE anlässlich des Geburtstags der Kunst am 17.01.21 angelehnt, bei welcher der Ausstellungsort mit mehreren Bündeln kalifornischem Salbei ausgeräuchert wurde. Ausgewählte Momente der tatsächlichen Aktion vor Ort werden im animierten Raum erweitert und entrückt. Das zweite Kapitel entkoppelt sich fast vollständig von der Ortsgebundenheit an den Worringer Platz; es bietet den Eintritt in eine eigene virtuelle Zwischenwelt, in der sich Fragmente, Phänomene und Symbole verschiedener Herkunft versammeln und rhizomatisch verbinden. Es werden sowohl Bezüge auf direkte körperliche Daten in Form von photogrammetrisch erfassten Objekten, als auch ausschließlich digital produzierte Inhalte verwendet, welche natürliche Formen imitieren oder völlige Fiktionen darstellen. Texturen einiger Modelle wurden einer Übersetzung und Rückübersetzung überlassen, indem die fotografisch generierten Texturen mittels künstlicher neuronaler Netze, wie der Sofware „DeepDream“, verändert und wieder auf das Modell angewendet wurden. Ein weiterer Prozess dieser Art ist die Digitalisierung und damit das Übergehen realer Elemente des Worringer Platzes in die Unstofflichkeit, während andererseits Objekte anderer rhizomatisch verbundener Orte im Ausstellungsraum physische Präsenz bekommen. Die Methodik der Arbeit besteht somit in einer ständigen De- und Reterritorialisierung ihrer Elemente.

Fotos: Christian Ahlborn und Kai Werner Schmidt